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Marco Guss Foto: Marco Guss

30. Juni 2021: Beantwortung von Fragen zur Innenstadt

Für einen Artikel zum Thema "Innenstadt" in der NDZ habe ich verschiedene Fragen beantwortet. Sie können die Fragen und Antworten hier nachlesen.

Die Stadt Bad Münder will sich am Stärkungspaket für Innenstädte des Landes beteiligen. Welche Projekte sind da aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Die Landesregierung verfolgt mit dem Auflegen des Programms die folgenden Ziele, die ich analog auch für Bad Münder sehe:

  • Den lokalen Handel gegen die Konkurrenz aus dem Internet stärken, Geschäftsaufgaben der Einzelhändler und damit Leerstände verhindern.
  • Die negativen Auswirkungen der Pandemie auf Kunst und Kultur, Gastronomie und Hotellerie abmildern.

Der Förderansatz ist dabei breit angelegt. Förderfähig sind Gesamtkonzepte und Strategien zur Weiterentwicklung der Innenstädte, Maßnahmen gegen Leerstand und zur Lösung der Herausforderungen mit so genannten „Problemimmobilien“ sowie vielfältige Maßnahmen aus den Sektoren Handel und Dienstleistungen, Kultur, Freizeit und Tourismus, Natur- und Klimaschutz sowie Verkehr und Logistik.

Zusammenfassend wurden sechs Handlungsfelder definiert:
Handlungsfeld 1: Konzepte und Strategien
Handlungsfeld 2: Maßnahmen gegen Leerstand und „Problemimmobilien“
Handlungsfeld 3: Handel und Dienstleistungen
Handlungsfeld 4: Kultur, Freizeit und Tourismus
Handlungsfeld 5: Natur und Klimaschutz
Handlungsfeld 6: Verkehr und Logistik“

Es gibt eine Vielzahl von Fördergegenständen. Es ist mir naturgemäß in der Kürze der Zeit nicht möglich, fertige Konzepte und Maßnahmen zu liefern. Das wird, so hoffe ich, auch nicht erwartet. Ich benenne daher hier einige, aus meiner Sicht geeignete, Beispiele je Handlungsfeld.

Handlungsfeld 1 Konzepte und Strategien:

  • Erarbeiten eines ISEK (integriertes Stadtentwicklungskonzept)
  • Schaffung einer Stelle „Quartiersmanagement“ zur Zusammenführung aller Akteure (Wirtschaft, Vereine, Institutionen, Bewohner, Verwaltung, Politik etc.), integrativ und koordinierend. Die Bewohner sollen aktiv in den Prozess der Stadtentwicklung eingebunden werden. Hier werden die Anschubkosten für die Stelle gefördert.

Handlungsfeld 2 Maßnahmen gegen Leerstand und „Problemimmobilien“:

  • Mietzuschüsse für Start-Ups oder bei einer Weitervermietung von Geschäftsräumen
  • Zwischenkauf von leerstehenden Immobilien um die Verfügungsgewalt über die Objekte zu erhalten und dadurch die Entwicklung in der Innenstadt steuern zu können
  • Konzeption für eine barrierefreie Innenstadt

Handlungsfeld 3 Handel und Dienstleistungen:

  • Digitales Internetportal mit der Möglichkeit, die Waren online anbieten zu können zur Stärkung der digitalen Sichtbarkeit und digitalen Leistungsfähigkeit der innerstädtischen Wirtschaft
  • Förderung eines Rabattsystems in Zusammenarbeit mit dem heimischen Handel und Betrieben
  • Unternehmensnachfolgebörse um Leerstände zu vermeiden
  • Unterstützung der Wirtschaftsvereinigung z.B. bei Konzeptinierungsmaßnahmen

Handlungsfeld 4 Kultur, Freizeit und Tourismus:

  • Söltjerfest wieder stattfinden lassen, alle Akteure dazu aktivieren
  • Stadtfeste etablieren mit verschiedenen Mottos, z.B. Weinfest, Kunsthandwerkermarkt etc.
  • Glas als Kunst in der Innenstadt sichtbarer machen in Zusammenarbeit mit dem Forum Glas
  • Zone / Bereich für Jugendliche

Handlungsfeld 5 Natur und Klimaschutz:

  • Fassadenbegrünung
    Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität, z.B. durch Entsiegelung von Flächen

Handlungsfeld 6 Verkehr und Logistik:

  • Fahrradparkplätze schaffen, mit der Möglichkeit eBikes zu laden
    Digitalisierung des Bürgerbusses (Web- und App-Basierte Lösungen für ein Auskunfts- und Buchungssystem

Es ist aber nicht nur das Sofortprogramm Innenstadt zu betrachten, sondern auch die Möglichkeiten, die das neue Quartiersgesetz bietet. Es ermöglicht, durch private Initiativen Quartiere aufzuwerten, Immobilienwerte zu erhalten und Leerstände wiederzubeleben. Damit können vielfältige Aufwertungsmaßnahmen finanziert werden. Für eine zügige Umsetzung stehen als Anschubunterstützung für die ersten Projekte landesweit 800.000 Euro zur Verfügung.

Da mit dem bestehenden Haushalt kaum eigene Akzente gesetzt werden können, ist darauf zu achten, dass die Kofinanzierungsquote je Projekt so gering wie möglich ausfällt, um somit möglicherweise mehrere Maßnahmen aufsetzen zu können. Dazu steht eine maximale Fördersumme in Höhe von 320.000,- € zur Verfügung. Das hört sich erstmal nach viel an, ist es aber nicht. Es muss daher gründlich abgewogen und priorisiert werden, welche Maßnahmen die Innenstadt wirksam und nachhaltig nach vorne bringen.

Was halten Sie für die Stärken und Schwächen von Bad Münders Innenstadt?

Der historische Stadtkern ist überaus attraktiv insbesondere durch die vielen schönen (Fachwerk)Häuser, die kleinen Wege und Gassen.

Es gibt ein gutes Einzelhandelsangebot.

Die Einzelhändler arbeiten gut zusammen. Das ist u.a. an der Kundenkarte und der Internetpräsenz www.einkaufen-in-bad-muender zu erkennen.

Eine Schwäche ist momentan das Erscheinungsbild. Eine gepflegte Innenstadt ist die Visitenkarte einer Kommune. Hieran muss permanent gearbeitet werden. Initiativen für eine saubere Innenstadt begrüße ich und werde ich unterstützen.

Es fehlt ein Drogeriemarkt.

Es sollte darüber nachgedacht werden, in bestimmten Bereichen die Integrationsarbeit zu intensivieren.

Welche Verkehrsführung halten Sie für sinnvoll? Wo sollen Autos fahren und parken dürfen?

An der Verkehrsführung gibt es meiner Meinung nach derzeit nichts auszusetzen.

Nach meiner subjektiven Einschätzung her wird beim Dolmen u. Döring / Lange Str. zu schnell gefahren. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt hier 10 km/h, so dass eine weitere Reduzierung nicht in Frage kommt. Hier könnten gemeinsam mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont und der Polizei Maßnahmen zur Geschwindigkeitsüberwachung in Frage kommen.

An der Kreuzung Angerstr. / Bahnhofstr. könnte ein befahrbarer Minikreisel Sinn machen. Es sollte geprüft werden, ob die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen.

Es könnte sicherlich auch nicht schaden, den ruhenden Verkehr intensiver zu überwachen.

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